Neues Jahr, neues Glück, neuer Grind in der Pipeline. Wer dachte, KitschKrieg würden ihre 2017 zahlreich erworbenen Lorbeeren planschend im Wasser der West Indies versenken, hat sich getäuscht. Es wird wieder rausgehauen. Den Anfang macht der Hamburger Baller-Barde Joey Bargeld mit seiner neuen EP. Der Modus: Kamikaze.

Hier ein Witz. Kommt ein volltätowierter 1,90m-Schrank zur Musik von Fleetwood Mac auf die Bühne – und reißt die komplette Hütte ab, obwohl ihn keine Sau kennt. Das Lustigste an diesem Witz ist, dass es kein Witz ist. Im vergangenen Herbst war Joey Bargeld mit Trettmann unterwegs, als Voract auf dessen “#DIY”-Tour. Er hinterließ Eindruck, mit einer gleichsam gottgegebenen Antitainer-Aura und Hooks, die sich einbrennen: “Er will Bargeld, sie will Bargeld – Cash!” In kurz: Das Kippchen musste wann anders geraucht werden.

 

Kein Wunder also, dass man sich zwischen St. Pauli und Twitter mit dem Tonfall von Krypto-Geheimwissen zuraunt, 2018 könnte das Jahr von Joey Bargeld werden. Sein Spektrum jedenfalls zeigt “1.1”, die zweite EP mit dem Berliner Produzententeam KitschKrieg. Die Single “Pusher” ist Bargelds Version eines Trap-Bangers – komplett mit 808-Schelle, Adlibs aus dem La-La-Land und einem angemessen abwegigen Part seines leiblichen Onkels Bonez MC. (Release 17.01.) “Hau ab” ist digitaler Drogen-Blues. Und “High” ist lupenreiner Punkrock und den Vorzeichen von Grime, Memphis und Berliner Battlerap.

All das kommt zusammen auf dem heimlichen Hit “Kamikaze”. Es ist ein Musterbeispiel für Joey Bargelds Superkraft, gleichzeitig komplett kaputt und irre funky zu klingen, maximal dagegen, aber auf eine eigene Weise eingängig. Wenn K.I.Z., wie Marsimoto einst urteilte, “Fettes Brot für die Straße” sind, dann ist Joey Bargeld eine Art Deichkind von der Straße: Eskalation als kathartisches Konzept, mit dem Dreck des Bordsteins und dem Gestus eines echten Künstlers.

“So wie du will ich nicht sein”, heißt es auf “Kamikaze”. Gute Nachrichten: Isser nicht. Joey Bargeld ist wie niemand und nichts sonst. Und genau deswegen das sicherste Investment für alle, denen Bitcoin zu blöd und Roulette zu langweilig ist. Es ist Bargeldzeit, Digger. Jetzt.