Trettmann ist wie Zelebrieren, vorzugsweise knöcheltief im karibischen Meerwasser. Seine dazugehörige Spätsommerhymne mit Gzuz knackte im Vorbeigehen die Million auf Spotify. Seine erste Solo-Tour steht an. Und ganz allgemein ist der Hype verdammt real. Aber er hat es versprochen: Warum soll ich vergessen, wo ich herkomm’? Seine neue Single “Grauer Beton” führt dorthin, wo alles begann.

“Grauer Beton” ist ein Lied über Herkunft. Über die Platte. Über Ostdeutschland. Sehr konkret spricht Trettmann, der sonst meist universelle Bilder zeichnet, über seine Jugend an einem Ort, wo Hoffnung ein rares Gut ist und Gutes meist nur eine vage Vorstellung von der Welt der anderen. Der Song erzählt von Seelenfängern auf der Jagd nach dem Geschäft, von Freunden, die sich mit jedem Tag weiter entfremden, scheinbar grundlos, bis sie irgendwann zu den Feinden gehören. Er erzählt von ewiger Leere und dem ebenso ewigen Traum vom Aufunddavon.

 

Trettmann selbst hat es irgendwie geschafft, diesen Traum zu leben. Schon als Kind hat er Zuflucht gesucht bei seinen Helden aus Übersee und damit auf die richtige Karte gesetzt. Doch er erhebt sich nicht über die, denen es anders ergangen ist. Weil er nur zu gut weiß, wie sich ein Leben auf der Kippe anfühlt. Und weil er es immer noch in sich trägt. Man kann Trettmann nicht begreifen, wenn man nicht den Bluessänger in ihm sieht; die leise Melancholie, die er selbst in seinen euphorischsten Momenten nicht ablegt. “Grauer Beton” macht diese Facette seiner Musik beinahe physisch greifbar.

“Grauer Beton” ist die zweite Single aus Trettmanns anstehendem Album “DIY”, das Ende September bei Soulforce Records erscheinen wird und komplett von KitschKrieg produziert wurde, so wie das mittlerweile gute Gewohnheit ist: Treff ihn in Kreuzberg, nur mit den Echten! Warum sollte er schließlich vergessen, wo er herkommt? Wer “Grauer Beton” gehört hat, wird das mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht mehr.