2016 war ein großes Jahr für Megaloh und Trettmann. Der eine lieferte das Rap-Album des Jahres (JUICE), der andere stellte mit seinem enigmatischen Post-Cloud-Pop die deutsche Musikwelt auf den Kopf. Nun machen sie für eine EP gemeinsame Sache. Zwei Kings. Eine hochprofessionell verbuffte Booth. Nuff vibes.

 

Megaloh und Trettmann. Der Volkstribun aus Moabit und der based Adriano Celentano aus Leipzig. Der MC-Meuchelmurderer mit dem unerschöpflichen Flow-Vorrat und der Trap- Troubadour mit dem so speziellen Gespür für Hooks und Harmonien. Unter der Vibes- Oberaufsicht von KitschKrieg fügen sich ihre Talente nun auf vollkommene Weise zusammen. Alles fließt, alles wummert, alles passt. “Swagger so anormal / natural natural!”

Die Biografien von Megaloh und Trettmann könnten unterschiedlicher kaum sein. Der eine wuchs mit nigerianischen Wurzeln in Berlin auf. Mit der Autorität des echten Lyricists marschiert er durch die Deutschrap-Welt, zuletzt an der Seite von Max Herre und seinem Nesola-Camp. Der andere wurde in den Achtzigern sozialisiert von Westradio und Breakdance, hielt jahrelang im gefühlten Alleingang die Fahne für Dancehall in Deutschland hoch. Im vergangenen Jahr überraschte er sich selbst mit seinem Tanzstil und alle anderen mit seiner Reinkarnation als futuristischer Post-Alles-Crooner.


Gemein sind Megaloh und Trettmann ihre Wurzeln in der Soundsystemkultur. Beide haben die Musik von Dennis Brown, Barrington Levy, Beenie Man oder Popcaan gefeiert und studiert. Bass war ihr Lehrer, die Jagd nach der nächsten Rewind-würdigen Zeile ist ihre Obsession. Das hörte man bereits auf den gemeinsamen Songs “Was soll’s?” (2015) und “Wer hat die Hitze?” (2016). Und das hört man noch deutlicher auf “Herb und Mango”. Das Format ist Hip-Hop, die Samples sind Reggae, die Haltung ist Yard – wir killen, und was tut ihr? Mit der zeitgeistigen Ranwanzung so vieler Rapper und Popstars, die sich derzeit ein bisschen Hip-Hop-Reggae-Inna-Dancehall-Style in den Einkaufswagen packen, hat das nichts zu tun. Mega und Tretti fühlen den Scheiß – und stellen sich ganz selbstverständlich in eine Traditionslinie von BDP und BCC bis Drizzy und Tory Lanez.


Produziert wurde “Herb und Mango” von KitschKrieg. Die Geschichte des Kollektivs aus Berlin-Kreuzberg – bestehend aus Fizzle, Fiji Kris und °awhodat° – ist ebenfalls untrennbar verbunden mit jamaikanischem Bashment und seinen globalen Ablegern. Fiji Kris fackelte früher mit Symbiz turmhohe Bassboxen ab; Fizzle bastelte als SoulForce an irren Blends und Zukunfts-Riddims (unter anderem mit Jr. Blender, lange bevor der begann, Welthits für Diplo und Major Lazer rauszuknattern). 2016 arbeiteten sie als KitschKrieg mit Haiyti, Joey Bargeld, Bonez MC & Raf Camora, den Beginnern und natürlich Trettmann.


Januar 2017: Die Welt scheint sich mal wieder auf Abschottung und Ausgrenzung als Allheilmittel zu einigen. Megaloh, Tretttmann und KitschKrieg aber machen sich frei und reißen weiter Mauern ein. Gegen die Kälte, für die Liebe, guten Geschmack und dafür, dass das Feuer nicht aufhört zu brennen. Also, wer hat die Hitze? 🔥 🔥 🔥