Zwosechzehn ist Trettmann-Jahr. Zwei gefeierte EPs. Ein brandneuer Sound. Kollegenlob in Kübeln. Songs mit Megaloh, Kalim, Samy Deluxe und Haiyti, dazu diverse Beiträge zum #1-Album “Palmen aus Plastik” von Bonez MC und Raf Camora. Der Trap-Troubadour aus Leipzig hat das, was man üblicherweise einen Lauf nennt. Nun erscheint der dritte Teil seiner “KitschKrieg”-Trilogie.

Wenn schlaue Menschen in ein paar Jahren auf diese Saison blicken werden, dann wird klar sein: Trettmann hat sie geprägt. Sein melodischer Flow, seine Wortwahl, seine Art, den Sound von hier und heute mit einem universellen Popappeal zu verbinden – all das ist neu und einzigartig in der deutschen Musiklandschaft. Und die macht Auge. Mit seinen beiden EPs “KitschKrieg” und “KitschKrieg 2” sowie ausgesuchten Gastauftritten hat sich der Leipziger eine neue, kleine Kultgefolgschaft aufgebaut. In der Branche raunt man sich zu von diesem neuen Veteranen, der offenbar nur Hits schreiben kann. Und auf den Shows singen Fans jede Zeile mit. “Ahnst du Trettmann? Seinen neuen Kram? Musst du checken.”

 

Seine neue EP mit dem Berliner Produzenten-Kollektiv KitschKrieg fängt die Energie dieses Moments perfekt ein. “KitschKrieg 3” ist beschwipst von einem leisen Gefühl des Gewinnens. Gleichzeitig ist Trettmann hungrig wie nach einer durchgeraveten Nacht vor der Burgerbude: “Aus dem Nichts in die Champions League, Hombre – nie wieder Schlusslicht!”

Der Hit der EP ist “Adriano”, ein typischer Trettmann, der umgehend Eingang finden wird in den Kanon seiner Underground-Hits. Für den Beat greifen KitschKrieg die Fusion von Afrobeats, Dancehall und tropischem House auf, die gerade weltweit die Charts reguliert – und packen ordentlich Kreuzberg zwischen die Synths und Synkopen. Dazu findet Trettmann einmal mehr seine ganz eigene Art, die eigene Glorie zu zelebrieren: “Zieh an meinem Vapo, lieg’ auf dem Piano / Ihr seid mir egal, Adriano Celentano.” Big Tune Alert in dunkelrot.

 

Dieser Swag ist ein Leitmotiv der EP. So preist Trettmann auf “Ehrenrunde” sich und die ganze KitschKrieg-Crew: die Mischpulthexer Fizzle und Fiji Kris (der sich als Co-Produzent des Beginner-Albums “Advanced Chemistry” gerade eine Goldene ins Studio hängen durfte); die Fotografin und Videoregisseurin °awhodat°; befreundete Styler wie Megaloh, Haiyti, Ufo361 und die 187 Strassenbande. Umgekehrt ist “Wie du” (mit einem Verse von Carsten Chemnitz, im Nebenberuf übrigens Leadsänger einer sympathischen Nachwuchsband namens Kraftklub) eine Breitseite gegen Mittelmaß und Mitläufertum, und gleichzeitig ein Manifest der eigenen künstlerischen Unabhängigkeit: “Wollte nie sein wie deine Helden, oder jemand anders / Wollte nie sein wie du, hab meine eigenen Standards.”

 

Gleichzeitig zeigt “KitschKrieg 3” erneuts Trettmanns Vielseitigkeit als Songwriter und Sänger. “Dienstag” etwa widmet sich der fachgerechten Ausgestaltung eines Abends zwischen Bettlaken, standesgemäß mit einer Buddel Moët und einem Beutel Gras. Es ist ein klassischer Slow Jam, mit einem pristinen Piano-Beat und einem Shoutout an den R&B- Schmeichler Brian McKnight – aber eben auch diesen Trettmann-typischen Wendungen und Referenzen, die die Angelegenheit von einer Sekunde auf die andere aus dem Klischeegefahrengebiet zerren und in ein ganz anderes Universum befördern.

 

“In meinem Leben” schließlich ist eine bittersüße Breakup-Hymne, eingesungen auf dem gleichen Beat wie “Akku” von Haiyti. Dieses kreative Riddim-Recycling ist schon eine kleine Tradition bei KitschKrieg, wo Musikmachen immer auch eine Familienangelegenheit ist: “2016 ist unser Jahr, Übernahme, Schlussstrich.”