Neues Jahr, neues Glück, neue Hits in der Timeline. Trettmann ist zurück – mit dem Berliner Produktionsteam KitschKrieg und einer gleichnamigen EP. Darauf zu hören: seine ureigene Version von Neuzeit-R&B.

 

Trettmann ist der Dancehall-und-darüber-hinaus-Don aus Leipzig. Seit fast zehn Jahren bringt er unermüdlich Swag und Seele ins Land der Riegel, Regeln und Plastikbeats.

KitschKrieg ist das Trio aus °awhodat°, Fiji Kris und Fizzle. Aus ihrem Kellerstudio in Berlin-Kreuzberg heraus definieren sie gerade gemeinsam neu, wie zeitgemäße Bass- und Popmusik aus Deutschland zu klingen hat.

Nun haben sich die vier für eine komplette EP zusammengetan. Der Sound darauf speist sich zu gleichen Teilen aus Trettmanns besonderem Gespür für Flows und Melodie, dem Post- Alles-Ethos des WWW – und dem ewig besten Gefühl, von einem meterhohen Boxenturm gegen die nächste Bar geblasen zu werden.

 

Heraus gekommen sind sechs kleine Instant Classics zwischen Couch und Club. Wer “KitschKrieg” dabei nur als Wandlung vom Dancehall-Direx zum selbst erklärten “Trap Astaire” deutet, hat Trettmanns Musik noch nie begriffen. In ihr fließt zusammen, was zusammen gehört, aber von den Grals- und Genrehütern des deutschen Premiumboxen- Betriebs nur zu gerne getrennt wird: Botschaft und Bosstum, Hype und Haltung, Tanzen und Träumen, Kingston und Kreuzberg, subkulturelles Geheimwissen und überlebensgroßer Pop.

So stolziert Trettmann auf “Dosis” im schwarzen Hoodie durch das Dunkel der Dancehall und erklärt die nächtliche Zerstreuung zum quasi-religiösen Akt des Ungehorsams: Falte die Hände und rave! “Wolken essen” ist eine Ode an das süße Nichtstun und Bäume in Belize (sowie ein Radioschlager für eine bessere Welt). Auf “Skyline” rollt Trettmann in Zeitlupe durch eine düsteren Dystopie, mit dem Herzen als Navi und ordentlich Autotune unter der Haube. Und “Was soll’s” – die letztjährige Spätsommerhymne mit Megaloh – gibt es hier im extra-trippy KitschKrieg-Remix.

“Visionär” schließlich ist die konsequenteste denkbare Umsetzung des EP-Titels. Der Song ist nur vordergründig ein Liebeslied. Im Subtext wird er zum Battletrack, zur ultimativen Kriegserklärung an Gleichschaltung und Geldgier, Engstirningkeit und falschen Ernst.

“Dekantier die Welt”, heißt es da, “schenk uns reinen Wein ein.” Für mehr Wahrheit, mehr Kitsch, mehr Krieg, mehr Trettmann. Nie wieder Frieden.